Die Anzahl alter Bäume mit natürlichen Höhlen, sprich Nistmöglichkeiten sinkt. Totholz durch eine intensive Forstwirtschaft oder aufgrund Maßnahmen zur Verkehrssicherungspflicht an Straßen häufig nicht mehr stehen gelassen. Sanierungen von Gebäuden und unsere moderne Bauweise mit glatten, lückenlosen Betonwänden führen dazu, dass die folgenden Brutstätten zunehmend verschwinden:
Schleiereulen gelangen zur Brut z.B. nicht mehr in sanierte Kirchtürme und Rauchschwalben nicht mehr in die modernen, hermetisch abgeriegelten Massentierhaltungs-Ställe.
Immer mehr Neubausiedlungen in Dorfrandbereichen führen dazu, dass Hecken und Gehölze verschwinden. Dieser Hecken-Schwund macht sich auch stark in der Agrarlandschaft durch Flurbereinigung oder sogar in unseren Gärten durch menschliche Ordnungsliebe bemerkbar.
Deshalb haben wir über 300 Nistkästen im
Stadtgebiet von Jüchen aufgehangen.
Aufhängen alleine ist nicht ausrechend, es gehört natürlich auch jährlich die Pflege, Wartung und Reinigung dazu.
Zugvögel leiden stark an der Wohnungsknappheit: Kommen sie im Frühjahr an, sind schon viele potenzielle Nistplätze belegt, z.B. durch Meisen. Deshalb machen übrigens auch Meisen-Nistkästen Sinn, damit die Meisen anderen Arten nicht deren Nisthilfen „wegschnappen“.
Überwiegend haben wir Nistkästen für folgende Vogelarten aufgehangen:
Ab Oktober bis in den Frühjahr kontrollieren und reinigen wir unsere Nistkästen. Bruterfolge werden dokumentiert. So können wir auf dauerhaft schlechten Belegung reagieren, und hängen Nistkästen bei Bedarf an andere Standorte um. Defekte Kästen werden repariert oder ausgetauscht.
Neben dem Spaß beim Reinigen kommt es auch immer wieder zu Überraschungen. Mal hat ein Kleiber das große Einflugloch vom Hohltaubenkasten verkleinert, mal springt ein Eichhörnchen aus einem Kasten, welcher eigentlich für den Waldkauz gedacht war. Wer uns gerne bei dieser sinnvollen Naturschutz-Arbeit des Reinigens von Nistkästen unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen mitzumachen. Die Reinigungen erfolgen, auch aufgrund der dunklen Jahreszeit, oft an Samstagen. Die Terminabstimmungen erfolgen auf unseren Gruppensitzungen und aufgrund des Wetters auch mal zeitnah. Daher veröffentlichen wir diese Termine nicht. Gerne könnte ihr uns ansprechen (siehe Ansprechpartner) und dauerhaft oder vereinzelt mitmachen.
Fotos: NABU
Fotos: NABU
Fotos: NABU
Nisthilfen bieten Schutz vor schlechtem Wetter und kalten Nächten z.B. für einige Vogelarten wie Meisen, Zaunkönige und Kleiber, aber auch für Eichhörnchen oder Schmetterlinge, Ohrwürmer, Florfliegen, Wespen-, Hummel- und Hornissenköniginnen. Bilche, wie Gartenschläfer, Siebenschläfer oder die Haselmaus nutzen Nisthilfen als Winterschlafplatz oder auch zur Aufzucht ihres Nachwuchses.
Da Vögel mit 39 bis 42 Grad Celsius ständig eine höhere Körpertemperatur als Säugetiere aufrecht erhalten müssen, verbrennen sie in der kalten Jahreszeit viel Körperfett. Dadurch verlieren sie schnell an Gewicht und sind oft geschwächt. Ein schützender Nistkasten kann da schon mal lebensrettend sein.
Du musst übrigens noch kein Spezialist sein, um anzufangen. Deine Fachkenntnisse kannst du Schritt für Schritt in der NABU-Gruppe erweitern.
Gemäß § 42 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) dürfen die Nist-, Brut-, Wohn- und Zufluchtstätten von besonders geschützten Arten nicht beschädigt oder zerstört werden.
Für Sanierungen von Gebäuden mit Brutstätten gelten besondere Auflagen (z.B. Sanierung außerhalb der Brutsaison) und es muss eine Sondergenehmigung bei der zuständigen Naturschutzbehörde eingeholt werden.
Die Schaffung eines Nist-Ersatzes in der Nähe ist vorgeschrieben und z.B. gerade für Mauersegler wichtig, die jedes Jahr an denselben Brutplatz zurückkommen.
Wenn Vogelkundler im Wald auf Höhlen- oder Horstbäume gezielt aufmerksam machen, dürfen die Bäume nur gefällt werden, wenn triftige Gegengründe vorliegen: z.B. die Verkehrssicherungspflicht.
Garten:
Streuobstwiese:
An und in Gebäuden:
Besonders zu schützen sind z.B.:
An Gewässern:
Nisthilfen sind so vielfältig wie die Vögel selbst. Denn sie sind nur dann nützlich, wenn sie den Bedürfnissen ihrer potenziellen Bewohner entsprechen. Sie sind also auf die jeweilige Vogelart zugeschnitten – genau so, wie bei uns Menschen z.B. eher ein WG-Zimmer oder ein Einfamilienhaus angesagt ist.
Beschäftige dich also im Vorfeld damit, welche Vogelart du unterstützen möchtest und welche Nisthilfe geeignet ist.
Grundsätzlich können wir Nester von Freibrütern und Nistplätze für Höhlen- bzw. Halbhöhlenbrüter unterscheiden.
Freibrüter: Nester im Geäst von Bäumen, im oberen Teil von Hecken und Sträuchern, im dichten Gestrüpp oder am Boden. Freibrüter bauen ihren Nester selber, sie nutzen keine Nistkästen. Sie benötigen einheimische Sträucher, Hecken oder Reisighaufe.
In Hecken & Sträuchern:
In Reisighaufen:
Halbhöhlenbrüter: z.B. Nischen und Spalten z.B. an Astbruchstellen oder Bauwerken. Wo diese fehlen, kann
der Halbhöhlen-Nistkasten Ersatz schaffen. Der Halbhöhlen-Nistkasten ist an seiner Rückseite geschlossen und vorne gibt es einen größeren, offenen Bereich. Damit ist er ungeschützter als der
Höhlenkasten. Ein
vorgezogenes Dach schützt zumindest etwas vor Fressfeinden.
Höhlenbrüter: z.B. Höhlen und Spalten in Bäumen, Nischen in Felsen, Mauern oder Gebäuden. Viele Vögel bevorzugen weitgehend geschlossene Nisthöhlen. Deswegen ist der Höhlen-Nistkasten mit einem Einflugloch die gebräuchlichste Nisthilfe
Bei Höhlen-Nistkästen ist die Größe der Öffnung entscheidend:
Viele Vogelarten brüten im Laufe des Frühlings und Sommers mehrmals hintereinander. Einige heimische Vogelarten ziehen ihren Nachwuchs dabei bis in den August oder sogar September hinein groß. Um die Vögel während ihrer Brutzeit nicht zu stören, solltest du die Nisthilfe also erst ab Anfang Oktober reinigen.
Klopfe vorher an und warte ein paar Sekunden. Das klingt zwar etwas merkwürdig, hilft aber. So warnst du mögliche Insassen wie z.B. Bilche oder Mäuse und ermöglichst ihnen die Flucht. Das schont die Nerven der Tiere und deine eigenen. Wenn sich niemand regt, kannst du den Nistkasten vorsichtig öffnen.
Nest drin lassen? Nein. Im Nistmaterial befinden sich in der Regel Parasiten (Flöhe, Milben, Zecken). Entsorge das Nest deswegen komplett. Außerdem bauen manche Vögel (z.B. Meisen und Kleiber) jedes Jahr ein neues Nest und räumen das alte nicht heraus. So kann über die Jahre ein Turm aus aufeinander gebauten Nestern entstehen, der gefährlich nahe ans Einflugloch gerät: Die Brut ist damit nicht mehr sicher vor Fressfeinden.
Noch ein paar Worte zu Schwalbennestern
Kunstnester von Mehlschwalben müssen ebenfalls jährlich gereinigt werden, da eventuelle tote Jungvögel nicht von den Schwalbeneltern herausgeholt werden. Oft haben die Kunstnester dafür Öffnungen an der Rückseite.
Gegen herabfallenden Schwalbenkot hilft ein einfaches Auffangbrett von ca. 50 cm Breite unter den Nestern.
Natürliche Schwalbennester bleiben einfach an der Fassade hängen, da sie nochmals genutzt werden und nach einiger Zeit von alleine abfallen.
Besonders das Zerstören von Schwalbennestern und anderen Nestern, die immer wieder genutzt werden, ist kein Bagatelldelikt und wird bei Anzeige und fehlender Genehmigung strafrechtlich geahndet.